Wie viel New Normal darf es denn sein?

New Work wurde als Begriff vom austro-amerikanischen Sozialphilosophen Frithjof Bergmann bereits in den 70er Jahren kreiert. Er legte dem Konzept vor allem die Werte Freiheit, Teilhabe an der Gemeinschaft und Selbständigkeit zu Grunde. Die Corona-Pandemie hat uns eindrücklich und in großem Umfang vor Augen geführt, wie agil manche Unternehmen auf eine Extremsituation reagieren können – der Experimentierraum war schier grenzenlos. Von Hoteloffices über virtuelle Ballettstunden sprudelten innovative Konzepte nur so aus dem virtuellen Boden.

New Normal in der Unternehmenskultur: Zeit für etwas Neues!

Gerald Hüther zählt zu den bekanntesten Neurobiologen Deutschlands und plädiert in seinem Buch „Was wir sind und was wir sein könnten“ für einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel: Weg von einer Gesellschaft der Ressourcennutzung hin zu einer Gesellschaft der Potentialentfaltung mit mehr Raum, Fokus und Zeit für das Wesentliche.

Für die aktuellen und kommenden Herausforderungen möchte ich Sie mit einigen Zitaten aus dem Buch zur Gestaltung Ihres New Normals inspirieren:

„Dort wo es gelingt, durch gemeinsame Anstrengung die Angst zu überwinden oder Not zu lindern, entwickeln die Mitglieder einer Gemeinschaft eine stärkende Erfahrung in ihrem Wir-Gefühl, ihrem Wir-Bewusstsein. Ohne diese Erfahrung, gemeinsam mit anderen etwas besser als allein verstehen, etwas effektiver als allein zu gestalten, etwas sinnhafter als allein erfahren zu können, werden die Mitglieder einer menschlichen Gemeinschaft auch kein Wir-Bewusstsein entwickeln können.“

„Die alten Vorstellungen und Überzeugungen davon, wozu Gemeinschaften da sind, beginnen sich aufzulösen. Damit lösen sich die alten Abgrenzungsstrukturen, die wir voreinander aufgebaut und die wir bisher für das gehalten haben, was uns ausmacht ebenfalls auf, wenn wir WIR sagen.“

„Wir durchlaufen damit gegenwärtig einen Prozess, in dem wir anfangen zu entdecken, was uns bisher zusammengeschweißt hatte, sei es in Form der von außen erzwungenen Not- und Zwangsgemeinschaften oder in Form der im Inneren herausgeformten tradierten Abhängigkeiten von Glaubens- und Interessengemeinschaften und den dazu erforderlichen Verwaltungsstrukturen“.

„Das alte WIR war ein WIR, zu dem wir geworden waren. Das neue WIR ist dabei, ein WIR zu werden, das wir selbst aktiv gestalten.“ Gerald Hüther, aus „Was wir sind und was wir sein könnten

New Normal & New Work: Die Herausforderungen

Vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen bietet New Work einen praktischen Arbeitsrahmen, um auf veränderte Arbeitsweisen in einer digitalen und globalen Arbeitswelt zu reagieren. Im Mittelpunkt steht dabei der Mensch und dessen sinnstiftende und erfüllende Tätigkeit.

Die Herausforderungen, vor denen wir aktuell stehen, lassen sich wie folgt zusammenfassen:

1. Dezentrales, hybrides und mobiles Arbeiten – mehr Home Office, weniger Dienstreisen

Mitarbeitende werden sich auf mehr virtuelle Meetings und weniger Dienstreisen einstellen müssen. Führung auf Distanz wird damit vom Schlagwort zur Leadership-Kompetenz. Teams brauchen neue Gemeinschaftsrituale, welche sich an die hybride Arbeitssituation (ein Teil des Teams arbeitet im Büro, ein Teil zu Hause) adaptiv anpassen lassen. Solche Rituale können Routinearbeit durch Elemente des Humors, der Überraschung und der Bedeutsamkeit beleben und bringen Teams in einen Gleichklang, weil sie stärkere Empathie und Zugehörigkeit erzeugen.

2. Arbeitsplatz der Zukunft – mehr Flexibilität, weniger Großraum

Der Arbeitsplatz der Zukunft muss offensichtlich umgestaltet werden, damit auch im Büro die notwendige Sicherheit nach der Pandemie 2020 gewährleistet wird. Bei Bene „The Core“ geht man noch einen Schritt weiter und sucht nach Lösungen, um Zusammenarbeit, Austausch und die Frage nach dem Sinn und Zweck der Arbeit stärker Ausdruck zu verleihen. Das Büro gewinnt neben dem Home Office und Remote Work als Begegnungs- und Kommunikationsort an Bedeutung. Flexible Raumnutzungsmöglichkeiten, die Einhaltung von Hygiene und Schutzmaßnahmen, Leitsysteme für BesucherInnen stehen dabei im Mittelpunkt. Je nach Anforderung und Bedürfnisse soll sich die Arbeitswelt anpassen können und neue Denkrahmen ermöglichen.

3. Eigeninitiative, Verantwortung und selbstorganisiertes Arbeiten – mehr Freiheit, weniger Sicherheit

Einerseits bestätigen die Mitarbeitenden in einer breit angelegten Home Office Studie des Fraunhofer Instituts, dass Home Office ihre Produktivität gestärkt hat, andererseits sehen sich viele mit neuen Schwierigkeiten konfrontiert: Vereinsamung zu Hause, Zeitmanagement, die Trennung zwischen Beruf und Privatleben sowie der fehlende soziale Austausch wurden am häufigsten genannt.

Wenn wir ausgehend von den Worten von Gerald Hüther und den aktuellen Herausforderungen einen Blick auf die Gestaltungsparameter werfen, geht es darum, einen Rahmen für das mobile Arbeiten in interdisziplinären Teams zu schaffen. Der Fokus liegt auf einer gemeinsamen Problemlösungskompetenz sowie der Stärkung von Erfahrung und Gefühl der Mitarbeitenden. Flexible Arbeitsumgebungen können im Sinne „lernender Büros“ einen Rahmen für Kommunikation, Austausch und Innovation schaffen.

New Work Praxistipps – So gelingt die Umsetzung

  • Praxistipp 1: Ziehen Sie aktiv Bilanz!
    Wie hat die Zusammenarbeit 2020 funktioniert? Was hat unseren Zusammenhalt im Team gestärkt? Welche Einschränkungen waren besonders herausfordernd? Welche Erfahrungen hat jedeR einzelne MitarbeiterIn gemacht?
  • Praxistipp 2: Definieren Sie Ihr New Normal!
    Wie wird die neue Normalität zukünftig in Ihrem Unternehmen aussehen? Wie lässt sich mobiles Arbeiten auch in der Zukunft beibehalten?
  • Praxistipp 3: Erarbeiten Sie neue Strategien!
    Wie können Sie unter den neuen Rahmenbedingungen künftig gezielt in Ihre KundInnen investieren – Stichwort Customer Centricity ?
  • Praxistipp 4: Integrieren Sie Lernen & Experimentieren als Kulturgut!
    Wie wäre es zur Abwechslung mal mit einem Meeting-Spaziergang anstelle des üblichen Team-Jour-Fixe?
  • Praxistipp 5: Überdenken Sie Karriere- und Entwicklungsperspektiven des Unternehmens!

Die Devise lautet: Hybrides, mobiles und digitales Arbeiten mit starkem Bezug zum Kunden – wie kann das in Ihrem Unternehmen umgesetzt werden?

 

Die Verlockung  ist groß, einfach weiterzumachen und zu hoffen, dass die Pandemie bald überwunden sein wird. Die Vogel-Strauß-Politik lässt Sie jedoch – wenn überhaupt – nur kurzfristig durchschnaufen. Langfristig gesehen werden Sie stark davon profitieren, wenn Sie sich jetzt ein Herz fassen, alte Arbeitsweisen betrachten, auswerten und neu ordnen. Daraus ergibt sich ganz automatisch der Anfang von etwas Neuem. Inspirierende Fragen dazu finden Sie meinem Beitrag: Change Management: Impulse für Veränderungsprozesse.

Als Unternehmensberaterin und Change-Managementment-Expertin hole ich Führungskräfte dort ab, wo sie gerade stehen und unterstütze sie darin, eine veränderungsoffene Kultur zu etablieren. Machen Sie sich selbst ein Bild und stöbern Sie in meinen Referenzprojekten  oder vereinbaren Sie Ihr kostenloses Erstgespräch.  

Ihre Mag. Anneliese Breitner, PhD, AnneBreitner GmbH

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