Coaching Tipp: Vom Umgang mit der eigenen Angst

Coaching Tipp: Vom Umgang mit der eigenen Angst

Wie gehst Du mit Deiner Angst um, wurde ich kürzlich gefragt. Hier ein paar Gedanken zum Umgang mit der eigenen Angst aus der systemischen Coaching-Perspektive. Im Moment sind viele von uns konfrontiert mit Ängsten: Kann ich im nächsten Monat meine Rechnungen zahlen und meine Familie ernähren? Was wenn die Bank mir den Kredit nicht stundet? Was, wenn ich pleitegehe?

Existenzängste fressen sich nachts ins Hirn – wie kann man das Gedankenkarussell stoppen?

Das Gefühl der Angst verstehen.

Angst lässt sich nicht verdrängen, sie ist eine Sogwirkung in einen Tunnel. Man kann sich auf nichts anderes konzentrieren. Angst als Gefühl begründet sich auf Erfahrungen aus der Vergangenheit; oftmals aus der Kindheit und löst in uns verschiedene Verarbeitungsmuster aus.

Die Angst erzählt uns eine Geschichte aus der Vergangenheit.

Irgendwann in unserem Leben waren wir einer Gefahr nicht gewachsen und daraus haben wir eine Strategie entwickelt. Sobald also das abgespeicherte Angst-Gefühl von damals hochkommt, fühlen wir uns der Situation im hier und jetzt nicht gewachsen.

Schritt 1: Die Angst wahrnehmen – sich ihr stellen

Man kann Ängste nicht unterdrücken. Sie sind einfach da. Man kann sich aber mit einem Trick der Emotion entziehen. Der Trick ist, mit der eigenen Angst zu sprechen. Sagen Sie einfach: „Ich sehe Dich. Ich weiß, dass Du da bist und weißt Du was, diesmal kriegst Du mich nicht klein…!“ Reden Sie mit ihrer Angst, schimpfen Sie sie und gehen Sie in einen inneren Dialog. Damit gelingt eine emotionale Distanzierung, so als würden Sie auf dem Kasten sitzen und ein Zwiegespräch beobachten. Egal, wie bedrohlich die Situation davor war, sie werden Erleichterung verspüren.

Schritt 2: Reflexion und Faktencheck

Das Gefühl der Angst lässt uns glauben, die Zukunft emotional vorhersagen zu können. Man ist sich losgelöst von der aktuellen Situation sicher, dass es genauso kommen wird. Emotional sicher. Im Fall der Angst springt unser emotionales Gedächtnis an und versucht die Erfahrungen aus der Vergangenheit auf die Zukunft umzulegen. Das heißt es kommen alte Gefühle hoch – keine neuen! Wenn Sie also früher in ihrem Leben gelernt haben, dass Sie alleingelassen wurden mit ihren Ängsten, ziehen sie sich vielleicht heute noch zurück und fragen erst gar nicht um Hilfe oder zu spät. Mehr Beispiele für angstgeleitete Handlungsmuster finden Sie dazu auch bei Klaus Eidenschink.

Jeder von uns hat andere Handlungsmuster ausgelöst durch Angst in seinem emotionalen Gedächtnis gespeichert. Seien Sie Ihr eigener Coach und reagieren Sie nicht gleich auf ihre Angst, sondern prüfen sie die Fakten. Im Fall von Existenzängsten stellen Sie einen Haushaltsplan auf. Wie hoch war ihre Stromrechnung im letzten Jahr? Wieviel machen Versicherungen, Medikamente, Telefon etc. pro Monat aus? Welche Einkünfte haben Sie und worauf können Sie verzichten? Der Faktencheck bringt die geforderte Klarheit. Klarheit ist ihre stärkste Waffe gegen die Angst. Sie macht sie wieder handlungsfähig.

Schritt 3: Das eigene Netzwerk aktivieren – darüber sprechen

Im dritten Schritt geht es darum, sich zu überlegen, wer in ihrem Netzwerk arbeitet in diesem Fachgebiet, ist also Experte? Im Fall von Existenzängsten kann z.B. ein Schuldnerberater helfen oder ein Coaching. Es geht darum, eine Person zu identifizieren, die Ihnen hilft eine emotionale Brücke über diese Angst zu bauen und eine neue emotionale Erfahrung abzuspeichern. Das macht Sie stärker im Umgang mit ihren Ängsten in der Zukunft.

In emotional belastenden Situationen, ist es wichtig, seine Gefühle zu verstehen, zu ihnen zu stehen und sich Klarheit zu verschaffen. Dr. Anneliese Breitner, AnneBreitner GmbH